SOS NORDBAHNHALLE

veröffentlicht am 13. November 2019

Stellungnahme der IG Nordbahnhalle zum Brand in der Nordbahnhalle und zur Notwendigkeit von Räumen für Nachbarschaft, Kultur und Soziales

Seit über einem Jahr engagieren wir uns für den Erhalt der Nordbahnhalle als Zentrum für Nachbarschaft, Kultur und Soziales. Insgesamt rund 4500 Unterschriften (Gemeinderatspetition und Online-Petition haben wir für den Erhalt gesammelt, zahlreiche namhafte Expert*innen aus Architektur, Städtebau, Kultur, Nachbarschaft und Zivilgesellschaft haben uns unterstützt.

In bisher vier offenen Nordbahnhallen-Foren haben wir eine parallele Planung zur Zukunft der Halle begonnen. Unzählige Gespräche mit Politiker*innen, Entscheidungsträgerinnen und der Presse haben wir geführt, eine Bürger*innen-Petition eingebracht, eine Stellungnahme zur Flächenwidmung verfasst, Stellungnahmen zu den immer wieder wiederholten und enorm einseitigen Argumentationen der Stadtplanungspolitik veröffentlicht.

Trotz massivem Gegenwind durch das Ressort Stadtentwicklung von Birgit Hebein und den Bezirksgrünen und dem kompletten Desinteresse im Petitionsausschuss am 7.11. waren wir bereit, weiter für die Entwicklung eines Modellprojekts für Nachbarschaft, Kultur und Soziales zu kämpfen. Weil wir überzeugt sind, dass wir als Stadtgesellschaft dringend Orte des Gemeinwohls brauchen, in denen Menschen gemeinsam tätig werden können, wo Demokratie gelebt wird, wo Raum für Ideen, für Kunst und Kultur, für soziale und zivilgesellschaftliche Initiativen besteht, wo im Denken und Handeln Lösungen für eine gute Zukunft erprobt werden können. Die Nordbahnhalle hat alle Voraussetzungen für ein solches Stadtlabor mitgebracht. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hat ihre Unterstützung für die Entwicklung eines innovativen Programms zugesichert, das gesellschaftliche, kulturelle und soziale Fragen zusammen denkt.

Heute ist die Halle abgebrannt. Seit Anfang Oktober hat die IG Nordbahnhalle darauf gedrängt, dass die Halle nach dem Teilabriss gesichert und verbarrikadiert wird, um Vandalismus zu verhindern. Letzte Woche hat die ÖBB endlich die notwendige Sicherung vorgenommen. Es war also nur schwer möglich, in die Halle zu gelangen. Ende der Woche waren wir vor Ort, um die Sicherung der Halle zu überprüfen. Wir sind schockiert und bestürzt über diese Brandkatastrophe, die nun Fakten schafft und eine für die Stadtplanung unliebsame Debatte mit hoher Wahrscheinlichkeit beendet.

Als Bürger*innen-Initiative IG Nordbahnhalle gehen wir von Brandstiftung aus. Der Strom war gekappt, es wurden keine Chemikalien oder Ähnliches gelagert. Uns fehlt jegliche Vorstellung, wie die Halle ohne Fremdeinwirkung abbrennen konnte. Wir fordern eine penible, transparente und lückenlose Untersuchung des Brandes. Und wir bleiben dabei:
Wien braucht dringend gemeinwohlorientierte Räume für Nachbarschaft, Kultur und Soziales. Jetzt liegt es an der Stadtplanungspolitik, für einen Ersatz der 1350m2 großen Halle zu sorgen. Wir bleiben dran!

IG Nordbahnhalle // Wien, am 10. November 2019
https://ig-nordbahnhalle.org/

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