Rassistische Gewalt durch Wiener Linien Securities

veröffentlicht am 21. Oktober 2020

Wiener Linien - vielfältig und rassistisch. Am 17. Oktober 2020 kam es zu einem rassistischen Vorfall in der Wiener U-Bahn. Security-Mitarbeiter* der Wiener Linien drückten einen Schwarzen Mann mehr als sechs Minuten lang zu Boden - und "fixierten" ihn, weil er sich angeblich geweigert hatte, eine Maske aufzusetzen bzw. den U-Bahnbereich zu verlassen.

Pasant*innen forderten die Securities erfolglos auf, den Mann loszulassen. Einige filmten den Vorfall, wurden jedoch teilweise von Securities dabei behindert.

Mehreren Augenzeug*innnen zufolge handelte es um einen rassistischen Vorfall. Die Wiener Linien sehen dies anders - sie übergaben die Videoaufzeichnungen aus den Bodycams der Securities und den Überwachungskameras der U-Bahnstation der Wiener Polizei zur Auswertung. Ob dabei was heraus kommt, ist zu bezweifeln. Aufnahmen aus Überwachungskameras, die Übergriffe der Polizei dokumentierten, verschwanden in den vergangenen Jahren immer wieder, die Polizei belastende Szenen gelangten so gut wie nie an die Öffentlichkeit, aber auch nicht an die Justiz. Jedenfalls stellen sich die Wiener Linien in einem offiziellen Statement hinter ihre gewalttätigen Securities - diese hätten sich korrekt verhalten.

Die Wiener Linien rechtfertigen das brutale Vorgehen mit der Behauptung, der Mann hätte die Securities angegriffen, nachdem er sich trotz mehrfacher Aufforderung weigerte eine Maske aufzusetzen oder den U-Bahnbereich zu verlassen. Die Securities hätten ihn deshalb "festgehalten", um auf das Eintreffen der Polizei zu warten. Wenn dies die Art und Weise ist, wie Menschen von Mitarbeiter*innen der Wiener Linien "festgehalten" werden, weil sie sich nicht an die Regeln halten, dann muss schon gefragt werden, wo da die Verhältnismäßigkeit liegt. Und es sollte nicht vergessen werden zu erwähnen, dass sich der misshandelte Menn Augenzeug*innen zufolge friedlich verhielt.

Das Problem mit Securities in der Wiener U-Bahn ist nicht getrennt von Polizeigewalt zu sehen. Denn der Grund, dass es überhaupt so viele Securities in den U-Bahnen gibt, ist eine direkte Folge auf zahlreiche Übergriffe durch die Polizei im U-Bahnbereich. Immer wieder wurden vor allem Schwarze Menschen misshandelt, unter dem Vorwand es handle sich um Drogendealer. Racial Profiling in Verbindung mit staatlicher Gewalt ist seit den 1990er Jahren immer wieder zu beobachten. Die Polizei bekam darüber hinaus Zugang zu Überwachungskameras in den U-Bahnen - ohne dass jemals auch nur ein Bild gegen übergriffige Beamte verwendet wurde. Der Einsatz von Securities bei den Wiener Linien hängt wohl mit der Wiener Politik zusammen, die dies für besser hielt, als die permanente Polizeipräsenz, die für ein Gefühl der Unsicherheit sorgt.

Dass manche Securities gerne Gewalt gegen Personen ausüben, die sie eigentlich "beschützen" sollten, ist kein Geheimnis - aber ein Teil des Problems der verschärften Überwachung des öffentlichen Raumes. Denn diese richtet sich vor allem gegen sog. Randgruppen oder stigmatisierte Personen, wie Schwarze Menschen, Roma*, Muslim*innen, Bettler*innen, Punks oder Drogen-Konsument*innen.

Rassismus wird in diesem Zusammenhang von offizieller Seite immer verleugnet, ist aber ein strukturelles Problem. Diese Form der Diskriminierung, der alltäglichen Übergriffe durch Polizist*innen, Securities oder Türsteher*innen ist Teil des strukturellen Rassismus, den u.a. die Black Lives Matter Bewegung massiv kritisiert. Der Vorfall am Westbahnhof wurde gefilmt und einige kurze Videos ins Netz gestellt - nur so konnten viele Menschen sehen, wie der Mann von Securities misshandelt wurde.

Wichtig ist anzumerken, dass es sich hier um keinen Einzelfall handelt. Das Problem ist ein alltägliches - und sollte als solches behandelt werden. Sag Nein zum Rassismus bei den Wiener Linien - und überhaupt!

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