Aufruf zur Mayday am Praterstern

veröffentlicht am 26. April 2020

Trotz der Verbote und Einschränkungen, die es an vielen Orten dieser Welt gibt, werden wir in den öffentlichen Raum gehen. Dabei ist uns die Sicherheit aller Beteiligten sehr wichtig. Achtet auf euch und eure Umgebung! Es geht nicht darum, die Gefahren des Virus zu ignorieren, sondern jene Gefahren aufzuzeigen, denen Menschen immer, und seit Ausbruch des Virus verstärkt, ausgesetzt sind.

Der 1. Mai ist ein historischer Kampftag der Arbeit. Dieses Jahr ist er umso mehr Aktionstag, um uns aktuellen Grundrechtsverletzungen entgegenzustellen. Konzerne erhalten Rettungsfonds, die Wirtschaft wird hochgefahren. Doch öffentliche, politische Meinungsäußerung bleiben weiterhin enorm eingeschränkt. Auf dem Mittelmeer ertrinken Menschen, Corona dient als Grund, die Rettung und Hilfe zu unterlassen, sie gar zu blockieren. An den EU-Außengrenzen sind Menschen in Lagern eingesperrt und dramatisch steigenden Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Es darf nicht sein, dass Gesundheit und Grundrechte wirtschaftlichen Interessen untergeordnet sind. Es darf nicht sein, dass Menschen Asyl- und Menschenrechte verwehrt bleiben. Das alles soll die Neue Normalität sein? Wir lehnen sowohl den Begriff als auch die diskriminierenden Maßnahmen entschieden ab. Unsere Solidarität gilt allen, die unter den jetzigen Umständen leiden. Sie gilt allen, die auch schon vor der Corona-Krise unter dem patriachalen kapitalistischen System gelitten haben.

Gerade jetzt bekommen wir die Folgen unseres kaputten Systems noch härter zu spüren. Denn – sicherer Wohnraum bleibt Luxus. Durch das fehlende Einkommen wird die ohnehin schon schwer bezahlbare Miete unbezahlbar. Und während Hotels leerstehen, werden Wohnungslose und Geflüchtete einem enormen Infektionsrisiko ausgesetzt. Zugleich wird das Zuhause für viele Frauen, Queere und Transpersonen Ort der häuslichen, patriarchalen Gewalt. Profite haben weiter Vorrang vor fair bezahlter Arbeit: die Krise offenbart, welche Arbeit “Systemrelevanz” hat und von wem sie geleistet wird. Dort arbeiten Menschen oft unter schlechten Arbeitsbedingungen und sind ungenügend abgesichert. Über 70 % jener “systemrelevanten” Arbeit wird dabei von Frauen geleistet, eine Situation die tief in gesellschaftliche Strukturen und Lohnverteilung blicken lässt. Wir fordern faire Bezahlung, denn das Klatschen zahlt die Miete nicht!

Am 1. Mai werden wir ein klares Zeichen setzen, solidarisch mit all jenen von uns, die schon viel zu lange ignoriert wurden. Erntehelfer_innen, Arbeitstätige im Sozialbereich, 24 Stunden Pfleger_innen, Supermarktangestellte, Personen im Gesundheitsbereich, Sexarbeiter_innen, undokumentiert und prekär Arbeitende, Kunst und Kulturarbeiter_innen, die tausenden Menschen, die in der Gastronomie ihre, schon zuvor oft schlecht bezahlten und ungenügend abgesicherten, Jobs verloren haben – die Liste ist lang und könnte endlos fortgesetzt werden.

Denn – die Rettungspakete für die oberen Klassen, für die, die in der Villa die Krise aussitzen und teilweise davon profitieren, sind schon geschnürt. Doch die Kosten sollen plötzlich alle zahlen – NEIN wir zahlen nicht die Kosten für Fluglinien und Konzerne! Für uns heißt Solidarität etwas anderes als der “nationale Schulterschluss”. Für uns heißt Solidarität ein gutes Leben für Alle, transnational und global.

Kommt heraus zum 1.Mai!

Wir werden Abstand halten, solidarisch sein, schützende Regeln einhalten. Wir werden gemeinsam und achtsam in den öffentlichen Raum gehen und auf Missstände hinweisen!

Wir lassen uns trotz Maske den Mund nicht verbieten und werden unseren Widerstand mit bunten und vielfältigen Aktionen zum Ausdruck bringen! Wir werden sichtbar und gemeinsam unsere Utopien und konkrete Forderungen auf die Straße tragen.

Um gemeinsam laut zu sein und den Beiträgen Hörbarkeit zu verschaffen, sind alle dazu aufgerufen – falls möglich – Akkuboxen & streamfähige Player zur Demo mitzubringen!

Wir kommen maskiert zur Demo, nehmen Transparente, Schilder, Stöcke und andere Gegenstände mit, die Abstand markieren können.

#mayday #precarity #prekär #LeaveNoOneBehind

#SolidaritätStattNeuerNormalität #SolidarityInsteadOfNewNormal

Auf der MAYDAY Webseite werden in der Zeit vor der Demonstration verschiedene Aufrufe unterschiedlicher Gruppen und Initiativen veröffentlicht. Viele verweisen gemeinsam auf die Demonstration, auf andere Aktionen, die im Kontext des 1.Mai stattfinden. Wir beziehen uns solidarisch aufeinander und verweisen auf die unterschiedlichen Perpektiven.

Du/ ihr wollt die MAYDAY unterstützen?
mail to: contact@mayday.jetzt
Du/ ihr wollt das auf andere Aktionen rund um den 1.Mai mit verwiesen wird?
mail to: contact@mayday.jetzt

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