Adbusting mit dem Verfassungsschutz: Unsere ersten Gehversuche mit der Kommunikationsguerilla

veröffentlicht am 18. Februar 2020

Den Polizeikongress 2020 dürften die Spitzelführer*innen vom Bundesamt für Verfassungsschutz noch einige Zeit in Erinnerung behalten. Die extra aus Köln nach Berlin gereisten Verfassungsschützer*innen mussten erleben, wie sie mit einer Adbusting-Aktion lächerlich gemacht wurden. Das Kommunikationsguerilla-Kollektiv „Besonderes Amt für Veralberung (BfV)“ hatte extra zum Empfang der Geheimdienstler*innen bis zur Kenntlichkeit entstellte Werbeplakate einer gefälschten Personalwerbekampagne des Verfassungsschutzes in den Werbevitrinen der Hauptstadt platziert, um sich für den Eintrag zu Adbusting im Bundesverfassungsschutzbericht zu revanchieren. Hier noch mehr Bilder von der Aktion und ein paar hoch subjektive Eindrücke der Aktionsgruppe.

Das Besondere Amt für Veralberung (BfV)
Das Besondere Amt für Veralberung (BfV) ist eine neue Gruppe, die sich so noch nicht gemeinsam mit Kommunikationsguerilla beschäftigt hatte. Auf die Idee, es mal mit Adbusting zu versuchen, kamen sie durch die Berichterstattung über den VS-Bericht. Mehrmals war auf dieser Plattform Thema, dass sich die Sicherheitsbehörden so sehr über veränderte Werbeplakate ärgern, dass sie das Phänomen sogar mit Bild und einer halben Seite Text im aktuellen Verfassungsschutzbericht auf der gleichen Stufe wie Angriffe auf Polizist*innen würdigen.

Öffentliche Kritik so schlimm wie physische Angriffe?
„Das fanden wir sehr unterhaltsam, weil es zeigt, wie die Staatsschützer*innen denken“ erklärt Cora Maaßen, die Sprecherin des BfV. „Öffentliche Kritik, die vielleicht sogar lustig formuliert ist, scheint für Schergen und Chargierte genauso schlimm zu sein wie physische Angriffe“. Der autoritäre Charakter habe es eben nicht gerne, wenn über ihn oder den Staat (was für Staatsschützer*innen dasselbe sei…) gelacht wird. Findet das Lachen in der Öffentlichkeit statt, sei es um so schlimmer. „Und da setzen wir an, dachten wir uns“ sagt Cora mit einem Grinsen.

Heimliche Komplitz*innenschaft
Generell waren seien alle in der Gruppe überrascht von den positiven Reaktion auf der Straße beim Aufhängen der Poster gewesen. „Wir hätten mit unseren Vorurteilssammlungen erwartet, dass Deutsche sich ganz traditionell erstmal eher autoritär mit staatlichen Behörden solidarisieren, wenn diese von fiesen linksextremistischen Staatsfeind*innen angegriffen werden“ merkt Caro selbstkritisch an. „Das Gegenteil war der Fall. Die breite Reaktion auf das Durchschauen unserer Maskerade war Kompliz*innenschaft.“

Der Familienausflug zum Breitscheitplatz
Beispielsweise am Hohlen Zahn an Breitscheidplatz kam es zu einer zunächst kritischen Situation. Eine eine augenscheinlich Studierende* hatte Family-Besuch. Der ganze Clan aus drei Generation stand dummerweise in unserer Bushaltestelle. Und Opa versperrt den Zugang zur Vitrine.
Aktivisti zu Opa: „Entschuldigung, dürfen wir da mal ran?“
Äh, ja klar, tschuldigung.“ Opa geht brav zur Seite.
Die zweite Aktivisti beginnt am Verschluss des Werbekastens rumzumachen. Opa findet das Schauspiel leider spannend und quatscht Aktivisti 1 ein Gespräch an die Backe. Wie der Job so ist, wie viel sie verdienen, etc. Aktivisti 2 wird nervös, es dauert zu lange. Aktivisti 1 versucht höflich nett nichtssagend zu antworten und die Aufmerksamkeit von Opa auf sich zu ziehen. Eine Positionsveränderung die Opas Sichtachse zur Werbevitrine einengen soll, erreicht das Gegenteil, weil Opa sich umstellt.
Aktivisti 2 rollt das neue Poster auf. Die ganze Family glotzt aufs Plakat. Oben erscheint das Wappen des VS mit der Verballhormung „Bundesamt für Verfassungsschmutz“.
Oma sagt: „Da ist ein Rechtschreibfehler! Bundesamt für VerfassungsschMMMMutz!
Aktivisti1: „Öh, ja? Hm Oh, stimmt. Naja, keine Ahnung, wir sollen die nur aufhängen.“ Zu Aktibisti2: „Siehst du das? Ist das was womit wir den Chef belästigen müssen?“
Das Poster ist mittlerweile ganz ausgerollt.
Opa: „Oh ja, da steht Bundesamt für VerfassungsschMMMMMutz. Ist das ein Fehler?“
(Jetzt klotzt mindestens die ganze Bushaltestelle und gefühlt der gesamte Breitscheidplatz).
Mama sitzt auf der Bank und interveniert: „Ne ist kein Fehler!“
(Pause, in der den Aktivistis das Herz stehen bleibt).
„Lest ma zu Ende. Das passt und stimmt alles“ lautet Mamas zustimmend kommuniziertes Machtwort. Die Herzen der Aktivistis schlagen wieder. Sie lächeln Mama unsicher an, nicken kurz dankbar und bringen sich in Sicherheit, während die Überdoses Adrenalin in ihren Köpfen jegliches gesundes Maß überschreitet.

Kompliz*innenschaft auch an der Kochstraße
Eine andere Bezugsgruppe beschreibt eine ähnliche Situation an der Kochstraße. Dort hängen drei Poster nebeneinander gut sichtbar von der Straße. Leider pfeift der Wind hier sehr, weshalb das saubere Reinhängen der Poster nicht so einfach ist, und der Auftritt der Aktivistis nicht besonders elegant ausgesehen haben dürfte. An der Ampel hält eine Fahrradfahrer*in. Ihrer Gestik, Mimik und Körpersprache sieht man deutlich an, dass sie der Performance vor ihren Augen deutlich misstraut und unsicher ist, was sie tun soll. Das erste Poster ist ausgerollt: „Bock auf Männerbund?“ steht nun in Verbindung mit dem Logo des deutschen Inlandgeheimdienstes deutlich sichtbar vor ihr. Nach einem kurzen Irritationsmoment entspannt sie sich, nickt zustimmend. Sie wartet, bis die Aktivistis aus dem Bild sind, und macht ein Foto mit dem Handy.

Derweil kommt der Bus. Das dritte Poster ist ausgerollt. Die Aktivistis haben Probleme beim Verschließen der Werbevitrinen. Der Bus hält an der Ampel. 100 Augen schauen auf die Plakate. Herzinfakt und Adrenalinvergiftung bei den Aktivistis. Aber niemand interveniert. Zustimmende Blicke und Gesten und gezückte Handys wohin man schaut.

Stille Unterstützung am Halleschen
Auch die Gruppe am Halleschen Tor hat ein solches Erlebnis. Das erste Poster hängt, beim zweiten klempt der Kasten. Eine geschäftsmäßig gekleidete Frau um die 55 wird aufmerksam auf den Spruch „Bock auf Männerbund“. Das schmiere stehende Aktivisti wird nervös. Die Frau kommt mit Absicht nicht näher und fummelt am Smartphone rum. Sie scheint die angespannte Reaktion der Aktivistas bemerkt zu haben und gibt sich große Mühe, diese nicht aufzuschrecken. Dabei zeigt sie eine Körpersprache, die explizit jeden bedrohlichen Eindruck vermeidet, und das Telefon hält sie so, dass auf keinen Fall der Eindruck entstehen könnte, dass sie die Aktivistis filmt. Die Aktivistis sind fertig und gehen zur Ampel. Die Frau wartet, bis unmissverständlich deutlich ist, dass sie keine bösen Absichten hat, geht dann zur Vitrine um Fotos zu machen. Beim in den Bus einsteigen schaut sie den Aktivistis zustimmend nickend nach.

Stress mit Zivilisten
Die einzige kritische Situation gab es in der Stresemannstraße beim Abgeordnetenhaus. Nachdem die erste Vitrine bestückt war, viel den Aktivistis eine ziemlich Deutsch aussehenden männliche Person um die 45 auf, die überhaupt nicht freundlich guckte, und Fotos machte (im Nachgang ist unklar, was genau mit welchem Fokus die Person fotografierte. Vermutlich Vitrine mit Aktivistis). Da die Aktivistis ohnehin gerade die Straßenseite wechselten, beschlossen sie, sich um die nächste Straßenecke abzusetzten. Leider war die ganz schön weit weg, so 200 Meter. Bei diesem Absetzmanöver folgte die Person auf der anderen Straßenseite mit Handy am Ohr in etwa 75 Meter Abstand. Da 75 Meter keine Distanz ist, auf der ein Zivilist an einem belebten Ort wie am Potsdamer Platz ernsthaft wen verfolgen könnte, gelang es den Aktivistis bereits an der ersten Ecke, die verfolgende Person abzuschütteln. Das der Vorgang jedoch nicht ganz harmlos war, lässt sich daraus schließen, dass das besagte Poster in der Stresemannstraße das einzige war, das bis zum Abend entfernt wurde und von dem wir keine Bilder haben.

"Kein Bock auf Männerbund" ist gesellschaftliches Wissen
Überraschend war für uns auch, wie gut beim Aufhängen der Poster auf der Straße der Slogan „Bock auf Männerbund?“ in Verbindung mit dem VS bei den Passant*innen ankam. Es scheint so zu sein, dass sich selbst für Deutsche das dahinter stehende Problem fast intuitiv erschließt. Was uns ehrlich gesagt überrascht, dass das subversive Wissen, dass Geheimdienste sexistische Scheißvereine sind, so weit verbreitet ist, obwohl es im Rahmen der netten freundlichen Sagbarkeitsfelder einer demokratischen Öffentlichkeit absolut tabuisiert ist, diesen Fakt z.B. in einer Talkshow oder so zu benennen.

Presseecho in der taz
Auch das Presseecho war überraschend breit und gut. Den Auftakt machte die taz. Sowohl im Internet (5.2.) als auch gedruckt (6.2.) berichtete Gareth Joswig unter der Überschrift „Adbusting gegen Geheimdienst“ ausführlich über die Aktion. Ausführlich geht er dabei auch auf den Anlass der Aktion, den Polizeikongress, und die alberne halbe Seite im VS-Bericht ein.

Seite Zwei in der Jungen Welt
Die Junge Welt war so angetan, dass die Zeitungsredaktion am Mittwoch, den 6.2. unter der Überschrift „Schlüsselqualifikation Kommunikationsguerilla“ ein Bild von den Adbustings in der Kochstraße prominent auf der zweiten Seite druckten.

Großes Foto in der Berliner Zeitung
Einen Tag später zog die bürgerliche Presse nach. DieBerliner Zeitungveröffentlichte auf ihrer Berlin-Seite als „eyecatcher“ ein Bild eines der Adbustings vorm Bundestag. Das Bild ist sehr pathetisch mit gefälschtem Plakat im Vordergrund und wehender Schwarz-Blutrot-Geld-Flagge im Hintergrund. Weil das Bild qualitativ hochwertig ist und eine Story erzählt, landet mit dem Bild auf einmal der radikale herrschaftkritische Slogan „Willkürliche Gewalt schützen? Bewirb Dich beim Verfassungsschutz“ gut lesbar in der bürgerlichen Presse.

Zwei Bilder im Kurier
Noch mehr Raum gab derBerliner Kurierder Aktion. Sowohl im Internet wie auch im Print verbreitete die Boulevardzeitung gleich zwei Bilder der Aktion. Und auch der Text war überraschend positiv. Der erste Absatz reproduziert zwar die übliche floskelhafte Hetze a la „linksextreme Internetseite Indymedia“ usw. Doch neben den Bildern zitiert die Zeitung gleich in zwei Absätzen direkt die Inhalte der Poster. Auch werden als Anlässe wie in der taz sowohl der Polizeikongress als auch die Nennung im VS-Bericht genannt. Der letzte Absatz ist aber der Hammer. Die Zeitung schreibt: „Darauf (auf den Plakaten) wird der Behörde unter anderem vorgeworfen, Ausbeutung und Ungerechtigkeit zu erhalten, dafür zu spitzeln, einzuschüchtern, zu hetzen und beim Töten zuzusehen.“ Und statt das als linksextremistischen Unsinn abzutun, gibt sich die Redaktion Mühe, Kontextinformationen bereit zu stellen: „Mit dem letzten Punkt wird darauf verwiesen, dass ein Verfassungsschützer nicht mitbekommen haben will, wie die rechtsextreme Terrorgruppe NSU 2006 in Kassel Halit Yozgat (21) in dessen Internetcafé erschoss, obwohl der Beamte sich dort aufhielt.“

Erfolgreiche Pressearbeit
Um den Erfolg beurteilen zu macht es Sinn, sich z.B. eine ähnliche Adbusting-Aktion von Ende Gelände vor wenigen Wochen zu vergegenwärtigen. Die Klimaschutzabteilung der Interventionistischen Linken hatte Mitte November ebenfalls in Berlin ebenfalls in ähnlicher Größenordnung gefälschte Poster einer vermeintlichen Regierungsbehörde untergeschoben. Das ganze war mega schick medial konsumierbar für Journalist*innen aufbereitet. Ergebnis: Null Presseberichterstattung.

Wie viele Leute haben die Poster gesehen?
Doch genauso wichtig wie die mediale Aufmerksamkeit ist die Frage, wie viele Leute die Poster in echt auf der Straße gesehen haben. Zu der Frage, wie viele Menschen pro Zeiteinheit einen Standort anschauen, findet man auf den Webseiten der Werbevitrinenvermarktungsmafia leider nichts außer Werbe-Blabla („97% Abdeckung“, „außerordentlich hohe Reichweite“, usw.). Eine Annäherung ist vielleicht mit den Zahlen von Einkaufsstraßen und Bahnhöfen möglich. Kuhdamm, Tauentzien und Alex sind demnach die belebtesten Orte Berlins und kommen an Samstag Nachmittagen auf knapp über 8000 Passant*innen pro Stunde. In der Woche und an anderen Orten dürfte vielleicht ein Drittel ein guter Schätzwert sein.

Lauf der Bahn kommt der Hauptbahnhof auf 300.000 Passant*innen pro Tag. Wenn man annimmt, dass sich das Gro der Menschen auf 18 Stunden verteilt, macht das ca. 16.000 pro Stunde. Vereinfacht verteilen sich diese Ströme in die vier Richtungen, in die man den Bahnhof verlassen kann, und auf andere Züge, die U-Bahn und die S-Bahn. Wir würden also ungefähr bei dem selben Schätzwert von 2000-4000 Passant*innen pro Poster landen wie bei den Einkaufsstraßen.

Nehmen wir nun an, dass 5% der Passant*innen die Poster wahrnehmen (… also subjektiv betrachtet hatten wir den Eindruck, dass sich die Adbustings viel mehr Leute anschauen… aber na klar nur die auf der einen Straßenseite etc.) dann landen wir bei ca. 150 Passant*innen pro Stunde mal 35 Standorte macht ca. für linksradikale astronomische 5000 Kontakte pro Stunde, aber weil wir nur begrenzt größenwahnsinnig sind halbieren wir diese Schätzung noch einmal auf 2500 Kontakte pro Stunde.

Wie lange hingen die Poster?
Die Werbemafia von WallDecaux behauptet in den Zeitungsartikeln, dass sie am Mittwoch alle Poster eingesammelt hätten. Das halten wir für eine dreiste Lüge. Wir glauben, dass das für die meisten im Internet von uns veröffentlichten Standorte stimmt. Da müssten sie schon sehr doof gewesen sein, diese nicht abzuräumen, obwohl wir für einige dieser Standorte (z.B. Hallesches Tor) Berichte haben, dass dort noch bis mindestens Donnerstag unsere Poster hingen. An anderen Stadtorten haben wir die Poster noch am Donnerstag gesehen. Und mindestens die Plakate an der Humboldt-Uni wurden laut Twitter noch am Samstag Abend von der fotografiert und mit „Dit is Berlin“ kommentiert.

Wir können also annehmen, dass etwa 20 Plakate mindestens Freitag Abend gehangen haben. 20 Plakate mal 4 Tage a 10 Stunden mit 150 Passant*innen würde 120.000 erreichten Menschen entsprechen. Selbst wenn man diese konservative Schätzung noch reduziert, dürfte sie aufzeigen, wie effizient bei Adbusting-Aktionen dasd Verhältnis von Aufwand und Wirkung ist.

Ein Blick in die sogenannten Sozialen Medien bestätigt das. Bereits kurz vor 14 Uhr tauchen die ersten Bilder der Aktion bei Twitter auf. Ausgerechnet der „Influenzer“ und für seine Kontakte in die rechte Doxing-Szene bekannte Thomasz Niemiec postet Bilder vom Hauptbahnhof.

Er macht damit auch die Twitter-Teams der Deutsche Welle (zu der der Link auf dem Poster führt) und den Verfassungsschutz bereits zu diesem frühen Zeitpunkt auf die Aktion aufmerksam. Später posten diverse weitere Nutzer*innen nicht nur aus der linken Blase eigene oder von Indymedia übernommene Bilder, die allesamt große Reichweiten erzielen. Auch die Kommentierungen zur Aktion sind größtenteils positiv, was angesichts der politischen Wertehorizonte der Bewohnenden des Internet-Sumpfes von 2020 keine Selbstverständlichkeit ist.

Warum die Deutsche Welle?
Wir haben viel diskutiert, auf was für einen Hintergrundtext wir mit der Aktion verweisen. Ein Problem dabei war, dass es kaum gute linksradikale Texte gibt, die sich mit dem VS beschäftigen. Straßen aus Zucker hat mal was im Kontext der Kampagne „Geheimdienst gibt Handy!“ gemacht. Aber das ist schon wieder 6 Jahre her, und die mediale Darreichung ist nicht besonders optimal

Porträt in der Zeit
Ein langes Porträt (9 Seiten) aus der Zeit hat uns bei der Vorbereitung sehr geholfen, uns ein Bild der geheimen Schwergen zu machen, und eine Idee zu entwickeln, wie durchgeknallt die da alle sein müssen. Allerdings ließt sich der Text über weite Teilen wie ein Werbetext für den Spitzelverein und die Schreibenden geben sich viel zu große Mühe all die Zumutungen und Durchgeknalltheiten, die sie im Laufe der Recherche erleben, in ein unangemessen positives Licht zu rücken. Notgedrungen haben wir dann die Skandalsammlung der Deutschen Welle genommen. Den Fakt, dass der VS so hochnotpeinlich ist, dass sogar der Staatsfunk für Auslandspropaganda nicht drumrum kommt, den Laden zu kritisieren, fanden wir schon irgendwie lustig.

Eine nicht intendierte Wechselwirkung davon kann man anhand des Posting von Thomasz Niemiec sehen. Bei deutschen eher rechts stehenden Menschen wie Thomasz und seiner Follower gibt es ein Mindsetting, dass dem angeblich linksgrün-versifften GEZ-Feind-Rundfunk durchaus zutraut, an einer Kampagne, die den Geheimdienst aus emanzipatorischer Perspektive kritisiert, beteiligt zu sein. Zumindest für solche autoritären Charaktere lädt das Verwenden des Links zur Deutschen Welle die Poster also mit noch mehr Staatsnähe und Glaubwürdigkeit auf.

Die Deutsche Welle reagiert aus den Vorfall sehr eigenwillig. Vermutlich um zu beweisen, dass sie guter deutscher Staatsfunk sind, und mit Linksextremist*innen, die Texte von ihnen auf Postern verbreiten, genau gar nichts zu tun haben, beginnen sie mit einer Recherche zu den echten Werbebemühungen des Geheimdienstes und widmen diesem eine Portion Hofberichterstattung. Lustig ist der letzte Absatz: „Das Bundesamt für Verfassungsschutz lehnte jegliche Stellungnahme zur Kampagne "Im Verborgenen Gutes tun!" ab.“ Die PR-Abteilung des Geheimdienstes war durch die Adbusting-Aktion mit den gefälschten Poster also vermutlich so verunsichert, dass sie einfach jede Anfrage zum Thema abgelehnt haben, selbst wenn die Journis ihnen bis zum Rachen in den Arsch gekrochen sind.

Adbusting ist Thema im Bundestag
Ein interessanter Effekt ereignete sich zudem vermutlich zufällig: Während draußen vor dem Bundestag Adbustings gegen den Verfassungsschutz hängen, veröffentlicht die Bundestagsverwaltung eine Kleine Anfrage der Linkspartei. Wie die Fraktion darin ausführt, werden bei "Adbusting" Werbeplakate "künstlerisch bearbeitet und dadurch in ihren Aussagen überspitzt oder verfremdet, so dass die von den Auftraggebern der Werbung angestrebte Wirkung verfehlt wird beziehungsweise sich ins Gegenteil verkehrt". Und Anlass ist ausgerechnet die Erwähnung von Adbustings im Verfassungsschutzbericht.

Ein Highlight aus unserer Perspektive ist jedoch, wie sehr sich WallDecaux blamiert hat. In der Öffentlichkeit erzählen die immer wie schnell sie Adbustings immer wieder einsammeln. Und jetzt reichten 35 Poster im engeren Innenstadtbereich, um zu erreichen, dass die meisten davon bis mindestens Freitag, eher bis Samstag hingen. Und dass obwohl die meisten Standorte sich aus den Bildern im Internet ableiten ließen. Chapeau.

Kontakt: Besonderes Amt für Veralberung, BfV@riseup.net

Pressespiegel:

taz, 5.2.2020:
https://taz.de/Fake-Verfassungsschutz-Plakate-in-Berlin/!5662099/

Junge Welt, 6.2.2020:
https://www.jungewelt.de/artikel/372017.kommunikationsguerilla-schl%C3%BCsselqualifikationen.html

Berliner Zeitung, 6.2.2020:
https://de.indymedia.org/sites/default/files/2020/02/47244.png

Berliner Kurier, 6.2.2020:
https://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez---stadt/poster-von-linksextremisten-schlapphut-werbung-stammt-nicht-vom-verfassungsschutz-36191438

Deutsche Welle, 8.2.2020:
https://www.dw.com/de/bewerbersuche-im-untergrund/a-52269898

Mehr Infos:

Mit Adbusting in den VS-Bericht:
http://maqui.blogsport.eu/2019/09/27/mit-adbusting-in-den-verfassungsschutzbericht/

Kleine Anfrage der Linken im Bundestag zu den Adbustings im VS-Bericht:
https://www.bundestag.de/presse/hib/681470-681470

Wie öffnet man Werbevitrinen?:
http://maqui.blogsport.eu/2019/01/03/wie-oeffnet-man-werbevitrinen/

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